Kind hört nicht: Gründe und was Sie in einer solchen Situation tun können | FOCUS.de

Kind hört nicht: Gründe und was Sie in einer solchen Situation tun können

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Wenn das Kind nicht hört, platzt manch einem Elternteil schnell der Kragen. Immer wiederkehrende Wutausbrüche sind aber keine dauerhafte Lösung. Was Sie tun können, wenn Ihr Kind nicht auf Sie hört, lesen Sie in diesem Artikel. Versuchen Sie aber auch immer zu ergründen, warum das Kind nicht hören mag.



Kind hört nicht - Mangelnde Aufmerksamkeit

Sie rufen Ihr Kind zu sich, aber es ignoriert Sie und hört mit der aktuellen Beschäftigung nicht auf. Sie versuchen es mit veränderter Lautstärke und werden am Ende ungeduldig, aber das Kind kommt dennoch nicht. Das ist ärgerlich. Sie kennen diese Situation? 

  • Nur in seltenen Fällen hört Ihr Kind nicht auf Sie, weil es Sie nicht hört. Meist ignoriert es Sie mit Absicht. Ein Grund dafür kann mangelnde Aufmerksamkeit Ihrerseits der Auslöser dafür sein. Das Kind sehnt sich nach Aufmerksamkeit, weil es sich vernachlässigt fühlt. 
  • In diesem Fall sollten Sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Gehen Sie zu ihm hin und schenken Sie ihm die volle Aufmerksamkeit. Bitten Sie es erneut, das zu tun, worum Sie es gebeten haben. Schauen Sie ihm dabei in die Augen und signalisieren Sie, dass Sie sich auf das Kind konzentrieren. Begeben Sie sich auf Augenhöhe. 
  • Dabei sollte die Sprache zum Gesagten passen. Formulieren Sie Ihr Bedürfnis kurz und knackig und bringen Sie die Kernaussage auf einen Punkt. Formulieren Sie möglichst keine Fragen, sondern Aussagen. Fragen können nämlich infrage gestellt werden. 
  • Statt zu sagen: "Wir fahren gleich los zur Schule" sollten Sie es anders formulieren. Zum Beispiel so: "Zieh dich bitte an, danke!" Sich vorher zu bedanken, übt auf Kinder eine Wunderwirkung aus. Sie bemühen sich, den Eltern zu gefallen und erfüllen die Aufgabe. 
  • Aus mangelnder Aufmerksamkeit kann sich ein weiterer Grund ergeben, dass Ihr Kind nicht auf sie hört. Es fängt an, Machtkämpfe mit Ihnen auszutragen. Das Kind wird versuchen zu gewinnen und wendet dazu gern den Ungehorsam oder Widerstand an. Anstatt sich auf den Kampf einzulassen, sollten Sie eher dazu übergehen, Kompromisslösungen zu finden.


Das Kind ist überfordert und hört deswegen nicht

Oft werden Kindern Aufgaben gestellt, die sie noch nicht selbstständig ausführen können, zum Beispiel, das Zimmer ordentlich aufzuräumen. Wenn das Kind aber keine Anhaltspunkte und kein angeleitetes Vorgehen hat, kann es diese Aufgabe nicht erledigen. Oder es sind zu viele Regel aufgestellt, an die es sich unmöglich alle halten kann.

  • Erledigen Sie solche Aufgaben zusammen. Geben Sie auch hierbei deutliche Anweisungen: "Stell diese Kiste neben das rote Buch." Wenn Sie Schritt für Schritt eine Aufgabe zusammen erledigen, entsteht zusätzlich ein verstärktes Wir-Gefühl. Erledigen Sie die Aufgaben immer wieder zusammen, entsteht ein unbemerkter Lerneffekt für das Kind.
  • Eine weitere Methode zur Erziehung ist, dass Sie Konsequenzen zulassen statt Bestrafung und Zwang. Wenn Ihr Kind quengelt und sich zum Spielen im Freien bei Regen keine Regenstiefel anziehen will, so lassen Sie es gewähren. Wenn die Schuhe dann am nächsten Tag noch immer nass sind, so kann es nicht spielen gehen. 
  • Strafen sind schlecht und haben keine pädagogischen Wert. Wenn ein quengelndes Verhalten mit der Entziehung des Handys bestraft wird, steigert es den Wert des Handys und das Handy wird zu etwas wichtigem. 
  • Motivieren Sie das Kind stattdessen. Wenn es morgens nur zögerlich aus dem Bett aufsteht, dann rufen Sie ihm ins Gedächtnis, dass es sich später auf dem Schulweg beeilen wird müssen. Es wird die Eichhörnchen im Park wieder nicht beobachten können. 

Wutanfälle gehören zur Entwicklung dazu

Erziehung ist selbstverständlich eine schwierige Sache und man kann als Erziehungsberechtigter schnell etwas falsch machen. 

  • Wenn es zu einem Wutanfall Ihrerseits kommt, so lassen Sie das Kind bei der Versöhnung wissen, dass Sie auch nur ein Mensch sind. Wichtig ist die Fähigkeit, sich entschuldigen zu können. Besonders Kinder fühlen sich Ihnen dann näher und verbundener. Trotzdem sollten Wutausbrüche und böse Worte eine Ausnahme bleiben. 
  • Wutausbrüche bei Kindern hingegen sind ein Zeichen gesunder emotionaler Entwicklung. Wut gehört bei Kindern nämlich genauso wie auch das Lachen oder das Verspüren von Freude zu wichtigen emotionalen Erfahrungen, die gelernt werden müssen. Gehäuft treten Wutausbrüche in der so genannten Trotz-Phase auf. 
  • Kinder sind ein Spiegel der elterlichen Emotionen und sehr feinfühlig für Anspannungen. Wenn also Sie angespannt und gestresst sind, dann wundern Sie sich nicht, dass auch Ihre Kinder es sind. Kinder wollen sich nämlich den Eltern anpassen. 
  • Vergessen Sie zudem nie, Ihr Kind ausreichend zu loben für die Dinge, die es schon sehr gut kann. Bei Geschwistern sollten Sie die Kinder nie vergleichend loben, sondern die Tätigkeiten betonen, die das Kind individuell gut kann. 
Wenn das Kind nicht hört, ist es manchmal einfach überfordert.
Wenn das Kind nicht hört, ist es manchmal einfach überfordert. (Bild: Pixabay/192635)

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